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Aus dem Albanischen von

DRITA COMO

 

Ich lerne zu leben

Ich lerne, die Dinge zu sehen wie sie sind,
lerne auf den grauen Straßen zu gehen...
liebe dich ruhig, ohne Schmerz ohne Feuer,
und bei Bedarf – lebe ich auch ohne dich.

Ich lerne, nicht zu zittern, wenn ich an Türen klopfe,
und die Stimme zu erheben, wenn ich mit „Beamten“ spreche...
und bei Bedarf spucke ich dem ins Gesicht,
der mich verarschen will.

Ich lerne Verse ohne Reim zu schreiben,
ohne Blumen und weiße Träume.
Ich lerne mit allem zu leben, wie alle,
in dieser herben schroffen Welt.

(22. Juni 1979)

Schlaflose Nächte

Gestern war die Nacht wieder still
Unter den Pinien fiel Dunkel
Der Mond hat den Kopf aus den Wolken gereckt
Aber keiner, der von ihm was will.

Wieder schimmerten gestern die Sterne
Wieder schrie der Kuckuck betrübt
Flüstern die Blätter im Wald in der Ferne
Die Hölzer neigen die Zweige, seufzen geübt.

Seufzer drüben jede Nacht
Seufzer auf die Balkone gefallen
Eine der Frauen sprach im Schlaf
Keiner verstand was sie meinte

Der Nachbar löschte wie immer das Licht
Klappte schweigend das Buch zu, verschwand.
Und dann .... nichts, nichts, nichts.
Und so weiter Wochen, Tage, Monate.

(1976)

 

Regen

Der Regen wirft Kummer aufs Glas,
Der Regen wirft Gram,
Der Regen macht alle Gedanken nass,
Über den Tag, der ging und kam.

Feuchte Gedanken...wie man leben soll,
In dieser allumfassenden Nässe von Ideen
Wenn du nichts und niemanden findest, der ihnen Anerkennung zollt,
Wenn du innerlich weinst und nach außen lachst.

Da kannst du nicht anders als mit Gewalt zu lachen,
In einer schmerzenden endlosen Scham,
Alle wollen sie dir hübsche Worte machen,
Niemand schafft es zu tun, was er kann.

Hübsche Worte...doppelzüngig,
So führen sie sogar die Selbstgespräche immer,
Einerlei in der Liebe, der Politik,
Alles wickeln sie in Schimmer.

(18. November 1979)

 

Für Dich

Biegen sich Pinien unter ziehenden Wolken,
Ziehen und ziehen Wolken im Regen...
Ich warte darauf hinter den Wolken ein wenig Luft zu sehen,
Wie ich nachmittags darauf warte, dir zu begegnen.

Aber nirgends tauchst du auf. Wo hast du dich verloren!
Solange warte ich schon. Und der Regen...
Wie kann ich leben, ohne ein wenig helle Luft,
Wie leben ohne deine Stimme, ohne dich.

Du wirst kommen, ich weiß es, kommst bestimmt,
Aber ich will, dass du jetzt kommst, im Regen,
Dann werden die Wolken verschwinden, wird die Sonne herauskommen
Aber ich will dir mit der Sonne unterm Arm begegnen.

(24. März 1978)

 

Ohne Dich

Nie mehr du im weißen Morgenlicht
Alles jetzt weiße Qual.
Etwas suche ich und nichts,
So lang warst du nicht da.

Ohne dich kommt und geht der Wirrwarr der Tage
Dämmern, lange Nächte – ohne dich
In meinem ganzen Wesen, immer gehst du
Wer weiß warum, wohin.

Ohne dich...blonde Haare umrahmten das Antlitz,
Wolken ließen den Himmel ergrauen...ohne dich
Im Reich der Träume bleibe ich ein Fremder
Welche Leere, welch endlose Gram.

(Oktober 1978)

 


 

 

 

 


 
             
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